29.07.09
Fahrgastrechte müssen durch Fahrgastbeteiligung ergänzt werden
Fahrgastrechte Mit dem am heutigen Mittwoch in Kraft getretenen Gesetz zu Fahrgastrechten im öffentlichen Verkehr verbessern sich die Rechte der Kunden vor allem bei Verspätungen. Nach Einschätzung von Martin Schiefelbusch dürfen Fahrgastrechte nicht nur auf Verspätungen eingeengt werden. „Fahrgäste brauchen ein hochwertiges Angebot. Dazu gehören beispielsweise umfassende Informationen, moderne und sichere Fahrzeuge, qualifiziertes Personal und ein einfacher Zugang zum jeweiligen Verkehrsmittel. Dazu müssen Fahrgäste schon bei Planung des Angebots angemessen beteiligt werden“, betont Schiefelbusch.
Mit dem neuen Gesetz ergeben sich Verbesserungen. Dennoch kann Deutschland noch viel von seinen europäischen Nachbarn lernen. Schiefelbusch untersuchte über mehrere Jahre in zwei wissenschaftlichen Projekten die Situation in Deutschland und Europa. Dabei ging es unter anderem um freiwillige Verpflichtungen von Verkehrsunternehmen und Verbünden. „In den Niederlanden und Österreich gibt es unabhängige Schlichtungsstellen. Die Situation in Deutschland ist derzeit noch unklar“, erklärt Schiefelbusch. In Großbritannien müssen Verkehrsunternehmen dokumentieren und veröffentlichen, wie sie mit Kundenbeschwerden umgehen. In Schweden bieten alle Verkehrsverbünde eine Servicegarantie – der Fahrgast kann bei einer Verspätung von 20 Minuten und mehr ein anderes Verkehrsmittel nutzen.
Auch für die Beteiligung der Fahrgäste bieten andere Länder gute Anregungen. „In Deutschland bestehen zahlreiche Beiräte und Verbände, die die Fahrgastsicht vertreten“, erklärt Holger Jansen, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts. „Insbesondere in den Niederlanden und Großbritannien werden solche Formen der Mitwirkung jedoch deutlich besser unterstützt und abgesichert als bei uns.“ Das neue Gesetz beruht auf der Verordnung 1371/2007 der Europäischen Union. Deshalb war eine Anpassung der nationalen Rechtsgrundlagen erforderlich. nexus untersuchte im Auftrag der Europäischen Kommission die Situation der Fahrgastrechte in den EU-Staaten. Zusätzlich analysierten die Wissenschaftler des Instituts in sieben EU-Ländern die Situation zur Beteiligung von Fahrgästen im Nah- und Regionalverkehr.

Linktipps:
nexus Studien und Projekte zu Fahrgastrechten und Fahrgastbeteiligung auf einen Blick
Projekt BUSREP
Buch zu Kundeninteressen im öffentlichen Verkehr erschienen